Akseli Gallen-Kallela‚ Kullervos Fluch, 1899

Rache ist der einzige Gedanke, der Kullerwo seit Kindertagen antreibt. Eines Tages wird er seinen Vater, seine Familie, seinen Stamm rächen. Er kennt den Mörder, den Bruder seines Vaters, der ihn, von dem er nicht ahnte, nach seiner Geburt aufgenommen hat. Untamo, sein Onkel, mordete den eigenen Bruder, mordete dessen ganze Sippe, und verschonte nur die Hochschwangere, Kullerwos Mutter. Und nun hält er diesen als Knecht, schindet ihn, versucht auch ihn zu töten, versucht die Gefahr, die er vielleicht ahnen mag, loszuwerden. Und doch gelingt es ihm nicht. Kullerwo scheint unantastbar, er fügt sich nicht, wie er sich auch keiner Arbeit fügen mag. So, lebendig und doch zu nichts nutze, hat er ihm keinen Wert. Untamo verkauft den Jungen an Ilmarinen, den Schmied, der ihn seiner boshaften und gehässigen Frau überlässt, die ihn zum Hüter ihrer Vieherde macht. Sie schickt ihn mit den Tieren auf die Weide, und mit einem Ranzen Proviant für den langen Tag. Ins frische Brot aber hat sie ihm einen Stein gebacken, an dem nun, da es Abend ist und Zeit für eine Mahlzeit, beim schneiden sein Messer zerbricht. Dieses Messer, wertvoller Besitz und Schutz, Werkzeug und einzige Erinnerung an den ermordeten Stamm, die Familie, den Vater. Nicht hält mehr den Zorn, nicht hält mehr die so lange schon unterdrückten Rachegelüste. Jetzt, da er nichts mehr besitzt, das Erinnerung ist ausser die Erinnerung selbst, soll auch niemand mehr leben, der ihm dies alles nahm. Jetzt treibt er, übermannt von Gefühlen, verzweifelt und in Raserei, das Vieh in den Sumpf, in dem sie alle elend versinken, und treibt an ihrer Stelle Wölfe und Bären zurück zur Stallung, ins Haus seiner Peiniger, wo die wilden Tiere ihr grausames Werk tun und Ilmarinens Frau zerfleischen. 

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Akseli Gallen-Kallela Kullervos Fluch 1899

Hier steht Kullerwo, ein junger Mann, dessen Gesicht nur Zorn ist, als er den Fluch gegen all jene ausspricht, die ihm und den Seinen Leid zugefügt haben. Hier steht der tragische Held einer Legende, die zum finnischen Nationalepos, dem Kalevala, wurde, dessen Schicksal sich aber doch auch in so vielen anderen Kulturen und epischen Geschichten erzählt. Hier mag er andere Namen tragen, das tragische Ende für den Helden, die Bitterkeit und trügerische Hoffnung auf Erlösung im Schwur ewiger Rache aber ist ihnen allen gemein.